Also dazu will ich auch mal kurz mein senf geben. Zuerst einmal müssen wir meiner Meinung nach uns keine sorgen machen Gemeinsamkeiten mit der türkischen Sprache zu haben. Ich schätze jeder weiß woher die türkischen Wörtern kamen. französisch, arabisch, persisch bzw kurdisch ect..... ein Beispiel hefte - die Woche hefte kommt von heft was sieben heißt ..und wieviele Tage hat eine Woche?
Grundsätzlich stimmt das schon, trotzdem sollte man sich doch besser an die Realität orientieren. Und 99% des Volkes verfügt mit Bestimmtheit nicht über so ein tiefreichendes etymologisches Wissen, wie wir es tun. Daher kann es nur vom Vorteil sein, sich von Türkisch zu distanzieren, wo es nur geht. Natürlich können wir nicht einfach eigene iranische Wörter wie "hefte" wegen Türkisch aus der Sprache rausschmeißen, aber wir können sehr wohl auf viele arabischen Wörter, die auch in Türkisch benutzt werden, verzichten, da wir als iranische Völker über ein sehr reiches Erbe verfügen.
den etymologischen Hintergrund des Wortes Bacar/Bajar kenn ich nicht wirklich, gehe aber davon aus dass es usprünglich in Sinn und Gehalt mit dem vermutlich persischen Wort "Bâzâr"(=Markt) identisch ist und auch von dieser verwandten Sprache entlehnt ist.
Ja, es teilt die selbe Wurzel wie Persisch "bâzâr", ob es jedoch direkt von Persisch entlehnt ist, ist fraglich. Aber von irgendeiner Sprache, die die neu-iranischen Lautverschiebungen durchgemacht hat, muss das Wort auf jeden Fall entlehnt sein. Man kann im Laut /c/ sehen, wie Zazaki - besser gesagt der Zentraldialekt - selbst Lehnwörter an die eigene Aussprache angepasst hat. Das Wort war in Pahlavi als "vâzâr" vertreten, in Sogdisch als "vāçärn", was sich von der altpersischen Form "vähā-çāränä-" ableitet.
Da man in diesem Wort keine spezifische historische Lauttrennung festellen kann, kann man es als allgemein-iranisches Gut betrachten. Daher würde ich nicht unbedingt behaupten, dass Kurden es von den Persern entlehnt haben, da es hierzu keine Beweise gibt. In Zazaki schaut es natürlich anders aus, wegen der v-b-Trennung kann man sehr wohl festellen, dass es sich hierbei um ein Lehngut handelt.
Dass im Süddialekt gebrauchte Wort "Suke" wurde vermutlich aus dem arabischen "Sûq" entlehnt und bedeutet auch nichts anderes als Markt.
In der Tat, auch Asmên hat mir bestätigen können, dass es arabischer Herkunft ist.
Da in den Gebieten der Zaza und Kurden
nie eine wirkliche Urbanisierung stattfand, man Städte mehr als Handelsplätze(daher auchBacar/Bajar= Markt(="Stadt") ) nutzte und bei getaner Arbeit sich in die heimischen Dörfer zurückzog, kann man auch nachvollziehen warum man nie wirklich ein eigentümliches Wort für den Begriff "Stadt" kreierte, wie es beispielsweise die Perser ("Schahar"), die Araber("Madina") und selbst die Turkvölker( "Kand", türkisch="Kent") taten.
Jedoch musst du beachten, dass jedes Wort eine Entstehungsgeschichte hat und dass es nur wichtig ist, wie das Wort heute gebraucht wird. Das Wort "şehr" kommt von der altiranischen Wurzel "xşethr-" für "herrschen", also hatte es die Bedeutung als Nomen für ein Gebiet, wo eine Herrschaft errichtet worden ist.
Das englische "city" geht auf Latein "civitas" zurück, wovon sich auch Deutsch "Zivilisation" ableitet. In Latein hatte es die Bedeutung wie etwa "Bürgerschaft". Und wenn man auf Deutsch den Ausdruck "in der Stadt bummeln gehen" benutzt, dann meint man ja auch den Teil einer Stadt, wo es Geschäfte und Marktplätze gibt.
Außerdem handelt es sich bei "şehr" in Farsi um ein nordwestiranisches Lehnwort (wahrscheinlich von Parthisch entlehnt), man hätte in Persisch "şes" erwartet, wegen der Verschiebung von Altiranisch "thr" zu "ç" in Altpersisch und dann zu "s" in Mittelpersisch.
Türkisch "kent" ist übrigens von Sogdisch entlehnt worden und hat die selbe Wurzel wie Zazaki "keye" für "Haus", hier kann man wieder am besten sehen, wie Wörter Bedeutungswandlungen durchmachen. "Keye", was von Altiranisch "kete" kommt hat überdies die selbe Herkunft wie Latein "civitas", was von Proto-Indoeuropäisch *kei stammt und soviel für "Behausung" stammt. Das türkische "köy" rührt auch von dieser Wurzel her.
Was das Wort für Stadt im Zazaki"Saristan" anbetrifft, so ist dieses zu künstliche Wort nicht wirklich spezifisch Zazaki, sondern setzt sich aus dem persischen Begriff für Stadt(siehe oben) und der persischen Endung für Ortsbezeichnungen"-istan"(Vgl. Golistan, Balochistan, Pakistan etc.) zusammen.
Das Wort "Volk" in Zazaki lautet ja auch "şar", was von der parthischen Form "şehr" kommt. Bemerkenswert ist, dass Südkurden "şar" für "Stadt" benutzen. Es ist ganz und gar nicht ein Lehnwort. Und "istan" als eine exklusive Vokabel für Persisch zu titulieren entspricht nicht den linguistischen Fakten. Es wird in jeder iranischen Sprache in Gebrauch genommen und war sogar in Avesta vertreten.
Die altiranische Begrifflichkeit für "Dank" beispielsweise wie sie im Persischen und im Kurdischen genutzt wird, wird von den meisten Muttersprachlern als fremd empfunden, da Dankesbekundungen im Zazaki zumeist idiomatisch( "Ti wes be" ;"heq/ homa tora razi bo") gebildet werden.
Da hast du schon Recht, nur sollten wir uns schon der modernen Gebrauchsweise anpassen. Und da gehört es halt dazu, auch ein Wort für "Dank" zu besitzen.
.Deshalb müssen Verbbildungen wie " teschekkur kerdene/kerdis; Spas kerdene/Kerdis"zwar nicht falsch sein, sind dann aber mit Sicherheit eher kulturellen Einflüssen der jeweiligen geographischen Nachbarn(Türken, Kurden, Araber, Perser)zuzusprechen, als der eigenen schöpferischen Bewerkstelligung.
Die Türken haben ja auch viel von anderen Völkern abgeschaut und bei Bedarf sich bei fremden Sprachen bedienen lassen, wenn sie nicht etwas aus eigener Schöpfungskraft erschaffen haben.